Persönlichkeiten des Porzer Karnevals

Geschichte und Geschichten rund um den Porzer Karneval –

Die Präsidenten des Festausschuß Porzer Karneval e.V.


Eine wirkliche Geschichtsschreibung rund um den Porzer Karneval gibt es bisher nicht. In unterschiedlicher Form haben sich Vereine, Gesellschaften und auch Einzelpersonen immer wieder zum Ziel gesetzt, einzelne Facetten des karnevalistischen Geschehens aufzuzeichnen, um Traditionen und Histörchen für die Nachwelt zu erhalten. Dabei ist kennzeichnend, dass der Porzer Karneval sich immer aus den einzelnen Ortschaften und den dort beheimateten Gesellschaften und Vereinen entwickelt hat und nur zum Teil „Porz als Ganzes“ im Blick hatte.

Ganz maßgeblich stehen einzelne Personen für die Entwicklung des Porzer Karnevals in den unterschiedlichen Phasen der letzten Jahrzehnte. In lockerer Folge wird zukünftig das jährliche Festheft des Festausschuß Porzer Karneval historische Splitter darstellen, die den Porzer Karneval geprägt haben. Den Auftakt machen die Präsidenten des FAS, die seit 1980 das Geschehen des Porzer Karnevals (mit)geprägt haben.

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Dr. Welf-Heinrich Steinmann im Gespräch


1. Was war der Anlass, sich für das Amt des FAS-Präsidenten zur Verfügung zu stellen?

Toller Sponsorenpreis für den FAS-Ball 1981 präsentiert von FAS-Präsident Welf-Heinrich Steinmann (1.v.r.) und Peter Herl (3.v.r.) vom Närrischen Rat

Obwohl ich im Senat und im Reitercorps der GKG Greesberger
in Köln aktiv war, engagierte ich mich etwa ab 1958 im Porzer Karneval, ohne aber Mitglied einer KG zu sein. Schließlich wurde
ich zum Beisitzer in den Festausschuss berufen, bei dem es sich seinerzeit um einen lockeren Verbund ohne feste Struktur oder
gar Satzung gehandelt hat. 1979/80 standen Vorstandswahlen
an. Da die Karnevalsgesellschaften den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Festausschusses (wieder) kontrovers betrachteten, dessen Kasse geleert war, war ein Vorstandsamt
nicht gerade attraktiv. Der Bürgermeister und Pattühm, Herr
Peter Weiden, regte meine Kandidatur an. Ich wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt, aber - so der Beschluss - vorerst nur für
ein Jahr und das auch nur (wörtlich) „zur Probe“. Die Annahme
der Wahl hatte ich von der aktiven, aber auch kritischen Mit-
wirkung der Gesellschaften sowie einer strukturellen
Neuaufstellung des Festausschusses abhängig gemacht.      


2. Welche Entwicklung oder Veränderung war für den FAS während Ihrer Amtszeit prägend?

Unmittelbar nach meiner Wahl habe ich die rechtliche Neuaufstellung des FAS vorangetrieben. Der von mir vorgelegte Satzungsentwurf wurde wirksam, der FAS wurde zu einem gemeinnützigen Verein. Das alles war für die Gesellschaften Neuland. Trotz vieler Unkenrufe funktioniert diese Struktur im Wesentlichen heute noch. Im harmonischen Zusammenwirken mit allen Vorstandsmitgliedern haben wir im Laufe der Sessionen die Veranstaltungen aufgewertet und professionalisiert. So erreichten z.B. Sitzungsprogramme das aus meiner Sicht erforderliche Mindestniveau, die von „unserem“ Sitzungspräsidenten, unser aller Freund Heinz-Josef Demmer, stets in gekonnter Weise zelebriert und präsentiert wurden. Die als Gala gestalteten Bälle, zunächst im Bürgerhaus und zuletzt im Rathaus, waren der Renner in den freudlosen Porzer Sommermonate, zudem erschlossen sich hiermit für den FAS finanzielle Mittel. Später bildete sich auch auf meine Initiative hin der „Närrische Rat“, der bis heute den Porzer Karneval maßgeblich unterstützt. Zur Kommandantur der seinerzeit in Westhoven residierenden belgischen Einheiten konnte ich nahezu freundschaftliche Bande herbeiführen. So gestalteten wir gemeinschaftliche karnevalistische Veranstaltungen. Nicht nur für unsere Mitgliedsgesellschaften war klar, dass unsere Freunde zum Zug fortlaufend nicht nur etliche Tieflader unentgeltlich zur Verfügung stellten, sondern auch vor dem Rathaus eine Tribüne aufbauten. Diese Verbindungen haben bis zum Abzug der belgischen Truppen gehalten.


3. Gibt es eine Begebenheit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Das Verhältnis zwischen den Porzer und Kölner Karnevalisten war schon immer nicht ganz störungsfrei. Zu den wichtigen Begebenheiten zählt in dem Zusammenhang die Absprache mit den seinerzeitigen Präsidenten des FK Kölner Karneval, die gegenseitigen Einflussbereiche zu respektieren. Das dahingehende letzte Treffen ist auf Vermittlung des legendären Kobes Engels zustande gekommen. Bedeutsam war eine ad-hoc-Sitzung im Porzer Rathaus. Und das kam so:  Mit der Neugestaltung der Straßenführung u.a. am Friedrich Ebert Ufer wurde plötzlich begonnen. Es wurde gepflastert, der Wegeverlauf verschwenkt darüber hinaus wurden dort diverse Bäume und Sträucher gepflanzt. Ich erkannte, dass mit der baulichen Änderung unser Zug nicht mehr am Rathaus vorbei ziehen konnte. Auf meinen Hilferuf hin eilte unser Freund, Josef Müller, mit einigen Beamten herbei. Mangels anderer technischer Möglichkeiten stellten wir auf dem Plan mit Büroklammern die Festwagen in ihrem Verlauf vor dem Rheinufer nach. Am nächsten Tag wurden Bäume umgepflanzt und die Beete so gestaltet, dass der Zug auch heute noch seinen traditionellen Weg entlang des Rheinufers nehmen kann.


4. Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung des Porzer Karnevals?

Das Engagement der aktuellen FAS-Vorstände erfreut nicht nur mich und verdient unser Aller Respekt. Der Aufwand und der damit einhergehende Finanzierungsbedarf haben sich deutlich vergrößert. Mir ist auch bewusst, dass Sponsorquellen sich deutlich schwerer erschließen lassen. „Hut ab!“. Sie fanden bisher Ziel und Weg. Richtig ist zudem, sich durch die Akzentuierung als „ familiärer Karneval “ von dem Geschehen - vor allem in Köln - abzugrenzen. Auch wenn ich nicht immer jeder Entscheidung uneingeschränkt zustimmen konnte, haben Präsident und alle Vorstandsmitglieder meine volle Unterstützung. Sie entwickeln Ideen und setzen um; auf Ihre bisherigen Ergebnisse können Sie stolz sein.
 

Dr. Welf-Heinrich Steinmann

Rechtsanwalt, in einigen Porzer Vereinen langjähriges Vorstandsmitglied (u.a. Innenstadtgemeinschaft Porz, Reit- und Fahrverein Porz), 1. Vorsitzender des Festausschuß Porzer Karneval von 1980 bis 1989, nunmehr FAS Ehrenpräsident

 

 

 

 

 


Gottfried Paffrath im Gespräch
 

1. Was war der Anlass, sich für das Amt des FAS-Präsidenten zur Verfügung zu stellen?

Der berühmte „Pattühm des Porzer Karnevals“, Peter Weiden, sprach mich als damaligen Filialleiter der Stadtsparkasse in Porz an, das Amt des Schatzmeisters zu übernehmen. Und nach einem Jahr wurde ich dann als FAS-Präsident in der Nachfolge von Ekkehard Romanski gewählt. Karnevalistisch war ich von meiner Mutter aus geprägt und zu diesem Zeitpunkt auch im Senat der Fidele Grön-Wiesse Rezag Porzer Ehrengarde.


2. Welche Entwicklung oder Veränderung war für den FAS während Ihrer Amtszeit prägend?

Wir haben sehr stark an der Organisation gearbeitet und vor allem den Kontakt zu den Behörden bei de
Organisation des Rosensonntagszuges intensiviert. Das hat sich dann unmittelbar bei der schwersten Entscheidung meiner Amtszeit, den Sonntagszug 1991 wegen des Irak-Krieges abzusagen, positiv ausgewirkt. Aus heutiger Perspektive kann man den Konflikt zwischen engagierten Karnevalisten und den Sicherheitsbehörden, wie er damals herrschte, kaum mehr nachvollziehen. Und am Ende ist man bei solchen Entscheidungen auch als FAS-Präsident mutterseelenallein.
 

3. Gibt es eine Begebenheit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
 

Das hat auch unmittelbar mit der Absage des Zuges zu tun. Am Morgen des Rosensonntag 1991 hatte es mächtig geschneit und der Zug wäre wahrscheinlich ohnehin aus technischen Gründen nicht gegangen. Allerdings das Dreigestirn unter
Heino Bauermeister und die Wesshovver Jonge und Mädche mit Helene Witteler
kamen spontan auf die Idee, einen kleinen Zug zu Fuss um das Rathaus zu machen.
Also sind wir zusammen im Ornat unter Ausschluss der Öffentlichkeit aber mit
großem „Alaaf“ rund um das Rathaus durch den Schnee gestapft (Foto).
Das ist karnevalistische Freundschaft und der wahre Karneval!


4. Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung des Porzer Karnevals?

Ich bin begeistert von der Veränderungsbereitschaft der aktuell Verantwortlichen im FAS. Dort ist man auf dem richtigen Weg, nicht stehen zu bleiben, sondern sich immer wieder auf neue Entwicklungen einzustellen. Als Reporter habe ich in den letzten fünf Jahren allerdings auch unzählige Karnevalsveranstaltungen in Porz besucht und kann aus eigener Anschauung bestätigen, dass die Vielfalt unter den Vereinen und Gruppierungen ständig wächst.

 

Gottfried Paffrath

Vormaliger Geschäftsstellenleiter der Stadtsparkasse Köln, Präsident des Festausschuß Porzer Karneval von 1989 bis 1993, Mitgründer der Radrenngemeinschaft (RRG) Köln-Porz. Sportmoderator und Journalist

 

 

 

 

 

Der FAS-Vorstand präsentiert das Motto der Session 1998

 

 

 


 

 

 

 

 

 


 

 



 

 

Bert Weihrauch im Gespräch

1. Was war der Anlass, sich für das Amt des FAS-Präsidenten zur Verfügung zu stellen?

Der Festausschuß befand sich in dieser zeit – auch durch die Absage des Rosensonntagszuges 1991 durch den Golfkrieg – in einer Krise. Aus dem Kreis meiner Heimatgesellschaft wurde ich zuerst als Beisitzer angesprochen. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass die verbliebenen Vorstandsmitglieder Hans Stralkowski und Willi Nothfelder eigentlichen einen Präsidenten suchten. Ich habe mich dann überzeugen lassen und bin ins „kalte Wasser“ gesprungen.


2. Welche Entwicklung oder Veränderung war für den FAS während Ihrer Amtszeit prägend?

Der FAS hatte zu dieser Zeit schlichtweg überhaupt kein Geld. Das „Startkapital“ für unsere Vorstandszeit haben Hans Stralkowski, Willi Nothhelder und ich aus der privaten Tasche vorgeschossen. Somit war unser primäres Ziel, die Finanzlage zu verbessern. Dafür mussten wir allerdings wirklich (fast) alles selbst machen. Insbesondere bewundere ich bis heute Hans Stralkowski, der es als Zugleiter fertigbrachte, dass trotz schwieriger Lage der Sonntagszug auf jeden Fall gehen konnte.


3. Gibt es eine Begebenheit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Sehr einschneidend war natürlich der plötzliche Tod des Bauern Heinz Berg am Abend vor Weiberfastnacht 1996. Wir haben uns entschieden, den Karneval in gedämpfter Form weiterlaufen zu lassen und auch den Rosensonntagszug nicht abzusagen. Eine Entscheidung, zu der ich bis heute stehe.


4. Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung des Porzer Karnevals?

Insbesondere die Leistung des FAS-Präsidenten Stephan Demmer verdient den größten Respekt. Insgesamt sind natürlich die Rahmenbedingungen heute nicht mit denen Mitte der 1990er Jahre zu vergleichen. Ich gebe hier den Ratschlag, den Vorstand nicht allzu groß werden zu lassen, damit die Verantwortlichkeiten auch klar geregelt bleiben. Auch sollte man die Achtung vor Traditionen und Personen, die sich um den Porzer Karneval verdient gemacht haben, nicht verlieren.

 

Bert Weihrauch

Engagierter Karnevalist und langjähriges Vorstandsmitglied im Garde-Korps Blau-Weiss Zündorf v. 1928 e.V., Präsident des Festausschuß Porzer Karneval von 1992 bis 1998, Adjutant des Prinzen Siggi II. 2003

 

 

 

 

 


 

Der FAS-Vorstand 1998 war eine gelungene Mischung aus erfahrenen und jungen Karnevalisten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus Liebram im Gespräch

 

1. Was war der Anlass, sich für das Amt des FAS-Präsidenten zur Verfügung zu stellen?

Ende 1997 kündigte der damalige FAS-Präsident an, nicht noch einmal für dieses Amt zur Verfügung zu stehen. Zwei „junge Wilde“, Gregor B. und Stephan D., überzeugten mich in unzähligen, meist bis tief in die Nachtstunden dauernden Gesprächen, zur Wahl anzutreten. Da der bisherige Präsident dann doch kandidierte, kam es am 28. April zu einer „Kampfabstimmung“. Das Ergebnis ist bekannt. Ein Ostwestfale als „oberster“ Karnevalist war gewählt. Davon hatte ich schon als Kind in der Wiege geträumt.


2. Welche Entwicklung oder Veränderung war für den FAS während Ihrer Amtszeit prägend?

In meiner Antrittsrede sagte ich damals unter anderem: „Das Porzer Narrenschiff  muss einen neuen, frischen Anstrich bekommen“. Mit einem Team aus alt und jung ist es uns dann gelungen, den Porzer Karneval fest im öffentlichen Leben zu installieren, die finanzielle Situation zu stabilisieren und z.B. eine damals etwas „anrüchige“ Stelle in der Porzer City unterhalb von St. Josef als „Fastelovendsplätzchen“ einzuweihen.


3. Gibt es eine Anekdote, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Spontan fällt mir eine Schrecksekunde aus der Session 2002 ein. Das Dreigestirn war zu einer Goldhochzeit eingeladen, als plötzlich der Ruf erschallte: „Der Bauer steht in Flammen!“ Zu Glück war es nur der Hut des Bauern. Er hatte sich beim Gratulieren zu weit über den Tisch gebeugt und eine Kerze übersehen. Horst hat es überstanden, für den Hut war die Session zu Ende.


4. Wie sehen Sie aktuell die Entwicklung des Porzer Karnevals?

Ein junger, dynamischer Vorstand leitet heute als Dachorganisation von mehr als zwanzig Gesellschaften, Vereinen und Gruppierungen die Geschicke des Porzer Karnevals. In nicht ganz einfachen Zeiten ist auch heute eine Neuorientierung zwingend erforderlich. Ich beobachte die Entwicklung mit großem Interesse und wünsche dem Team um den Präsidenten Stephan Demmer eine erfolgreiche Arbeit im Sinne des „familiären Porzer Karnevals“.

 

Klaus Liebram (74)

Langjährige Führungskraft bei KHD und Mitglied im Närrischen Rat,
stellte über viele Jahre den Porzer Karnevalsgesellschaften Traktoren
für den Rosensonntagszug zur Verfügung, Heimatgesellschaft war die „Narrengilde“
der Unteroffizier-Heim-Gesellschaft (UHG),
Präsident des Festausschuß Porzer Karneval von 1998 bis 2007

 

Die Interviews mit den Ehemaligen FAS-Präsidenten führte Gregor Berghausen - Bilder aus dem Archiv des Kölner Stadt-Anzeigers Porz